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Geschichte

Heidegemeinde Ostern
Die Heidegemeinde Ostern

"Wie ihr gehört habet, waren unsere Vorfahren mit deutschem Fleiß, deutscher Gründlichkeit und deutscher Ausdauer an der Arbeit und mit Gottes Hilfe haben sie das Ansiedlungswerk gut vollbracht."

Die Heidegemeinde Ostern, umgeben von fruchtbarem Ackerland, liegt im nordwestlichen Teil des rumänischen Banats.

Als die Kaiserin Maria Theresia (Regierungszeit 1740-1780) Kolonisten in das Temescher Banat berief war der Auswanderungswille im Westen und Südwesten Deutschlands, wo unsere Ahnen in drückender Beengtheit und unter unglücklichen wirtschaftliche und politische Verhältnisse lebten, auf den Höhepunkt gestiegen. Die Aussicht die das Kolonisierungs-Patent gestellt hat war auch für Kleinbauer und Kleinhäusler nur so verlockend. Auch wohlhabende, denen die Verhältnisse im Mutterland ein Dorn im Auge war, sehnten sich nach einer freien Heimat. In vielen Familien wurde beratschlagt was zu machen wäre und oft wurde der Entschluss gefasst das eines der Kinder mit den alten Eltern oder Großeltern auf dem Hofe blieb und die anderen, ihr Glück suchend, sich auf den Weg machten. Die Sehnsucht nach dem "Paradies-Banat" erfasste viele so das der Andrang von Kolonisten immer größer wurde und der jährliche vorgesehene Ausgabenrahmen für die Kolonisation schon bald gesprengt wurde. Aus diesem Grunde erfolgte am 13. April 1771 die Bekanntmachung das nur solche Auswanderer in das Banat aufgenommen werden welche die Reise auf eigene Kosten zu bestreiten imstande waren. So begann im Frühjahr 1772 der so genannte erste "Große Schwabenzug". Auch unsere Ahnen haben den weiten Weg, teils zu Wasser teils zu Fuß, mit einem Bündel auf dem Rücken und mit dem Wanderstock in der Hand zurückgelegt. Im Banat angekommen zogen sie in einem großen Trupp von Ansiedlern ihren Bestimmungsorten entgegen. Endlich kamen sie in die verheißende Gegend, aber die Landschaft die sie vorfanden bot nicht den erwarteten anheimelnden Anblick. Die heute so fruchtbare Heide war damals eine mit Sumpfadern durchzogene Wüste, übersät mit Unkraut, Binsen, Rohr und Buschwerk. An einem Bestimmungsort angelangt blieb ein Teil der Einwanderungstruppe zurück um hier einen Ort zu gründen der Rest des Trupps zog weiter zu dem nächsten Bestimmungsort usw. So kamen auch unsere Ahnen an Ihrem Ort an und da sie an den Osterfeiertagen ihr Ziel erreichten nannten sie demgemäß unser Heimatort " OSTERN ". Als man sich nach der schweren Reise im Lager ausruhte bot sich dem Auge eine bunte Tracht. Unsere Ahnen kamen aus ganz verschiedenen Gegenden so das man Trachten aus Lothringen, aus Westfalen, aus Luxemburg, aus der Pfalz, aus dem Kurfürstentum Trier, aus dem Schwarzwald, aus Württemberg, aus Österreich, aus Bayern sowie 1-2 Familien aus England und den Niederlanden sehen konnte. Das Auswanderungsfieber war längst schon zu normaler Temperatur zurückgegangen, bei manchen sogar unter normal gesunken, den die lange schwere Reise und die öde Gegend wirkten ernüchternd. Wie ein Traumbild tauchte vor ihren seelischen Augen die alte Heimat das stille Haus die Obstgärten die gepflegte Landschaft der Vogelgesang auf den Bäumen auf, und hier nichts als Disteln und Dornen und Hecken und Gestrüpp. Viele haben den Mut verloren einige haben auch den Rückweg angetreten aber es gab trotzdem auch viele die nicht so leicht aufgaben, den sie sagten sich, wo das Gras so üppig wächst, wird auch die Saat gut gedeihen. Sie waren darauf gefasst das aller Anfang schwer ist und so machten sie sich frohen Mutes und Gott vertrauend an eine mühevolle und Kräfte raubende Arbeit. Es wurde ein Zeltlager errichtet in dem man hauste bis das eigene Haus fertig war. Als genügend Handwerker da waren wurde nach einem schon früher errichtetem Dorfplan mit dem Aufbau der ersten Häuser begonnen. Es entstand so ein Haus nach dem anderen und sobald eines fertig war wurde es bezogen. Es wurden Brunnen ausgehoben, Bäume wurden gepflanzt der Acker wurde urbar gemacht um das Dorf wurden Wiesen angelegt, Weingärten wurden bepflanzt. Die ersten Häuser waren einfache Bauten deren Mauerwerk aus mit Stroh gemengter Erde bestand, das Dach wurde mit Rohr oder Schilf gedeckt. Die Häuser waren meistens mit drei Zimmern ( Stube, Küche und Kammer) ausgestattet. Als alle Häuser fertig waren baute man eine Schule, ein Gemeindeamt und eine zweigängige Pferdemühle. Die Schule war bis zum Jahre 1832 einklassig. Im Jahre 1785 wurde das erste Bethaus aus Lehm errichtet. Im Jahre 1807 wurde mit dem Bau der jetzigen Kirche begonnen. So zogen die Jahre dahin das Dorf wurde immer größer bedingt durch zwei weitere Ansiedlungswellen sowie hervorragender Arbeit vom Gevatter Storch so das die Schule sich schon bald zu klein erwies daher wurde im Jahre 1832 die alte Schule abgerissen und eine neue zwei- klassige aus Stein mit Lehrerwohnung errichtet. Im Jahre 1844 war das Bild von Ostern schon recht ansehnlich mit Kirche und Pfarrhaus, ein Gemeindeamt, Schule, ein großes Wirtshaus und 3 zweigängige Pferdemühlen. Um sich in diesem Jammertal eine Abwechslung zu schaffen wurde auch die Unterhaltung großgeschrieben. Die Männer trafen sich bei einem guten Schluck Weine im Wirtshaus, die Frauen saßen in der Spinnstube bei einem fröhlichen Plausch und Gesang, oder man fand sich im Wirtshaus bei Musik und Tanz. So zogen die Jahre dahin mit guten aber auch mit vielen schlechten Zeiten, das Dorf änderte sein Aussehen, die Gassen wurden schöner und sauberer, die Häuser wurden schöner gebaut. Die langsam Aufwärtssteigende Entwicklung hat einen großen Dämpfer durch das 1863 Notstandsjahr bekommen als es das ganze Jahr nicht regnete und das Dorf, dessen Haupteinnahmequelle die Landwirtschaft war, eine große Hungersnot erlebt hat. Auch in denn nächsten 60-ziger regnete es wenig so das im Jahre 1869 die Dürre so groß war das die Brunnen fast ausgetrocknet sind. Es wurde ein neuer Brunnen ausgehoben der etwa sieben Klafter in die tiefe ging und mit dem fertig stellen dieses Brunnens begannen im Jahre 1870 die großen 70-ziger Wasserjahre. Es regnete wochenlang ohne Unterbrechung so das alle Brunnen überliefen die Flüsse aus ihren Ufern traten und so im Frühjahr 1871 nach einem schneereichen Winter das Dorf überschwemmt wurde. Die Alten sagen, der Eulenspiegel hat den Kopf niemals hängen lassen, wenn schlechte Zeiten waren, den er wusste, dass auf trübes Wetter, früher oder später Sonnenschein folgt. Es kamen auf die 70-ziger Jahre tatsächlich bessere Zeiten in denen unser Heimatort, wie andere schwäbische Heidegemeinden auch, in wirtschaftlicher und zivilisatorischer Hinsicht eine anerkennungswerte Entwicklung durchgemacht hat. Es werden landwirtschaftliche Geräte und Maschinen eingeführt, die auf die landwirtschaftliche Arbeitsweiße und auf die Landwirtschaft selbst, sichtlich fördernd wirkten. Man war bestrebt mit der Zeit zu gehen. Ein Rückschlag in dieser Entwicklung war dann der Erste Weltkrieg der auch an unserm Dorf nicht spurlos vorbeigegangen ist. Nach den Kriegsjahren erfuhr die Entwicklung unserer Gemeinde wieder einen Aufschwung aber auch diesmal dauerte es nicht lange und die Welt wurde von dem Zweiten Weltkrieg erschüttert der auch in unserer Heimat seine spuren hinterließ. Werfen wir noch einmal einen kurzen Rückblick auf die Verwaltungslage des Temescher Banats. Bei der ersten Ansiedlungswelle im Jahre 1772 war dieses eine österreichische Provinz. Schon einige Jahre nach der ersten Ansiedlung und zwar 1779 wurde der nördliche Teil des Banates von Maria Theresia an die Ungarn zurückgegeben, aus Dankbarkeit für die Hilfe an ihrer Seite während des 7jährigen Krieges. Dieses Gebiet wurde nun in Komitate eingeteilt, wobei Ostern in den nördlichen Teil des Komitates Torontal zu liegen kam. Unter Ungarischer Verwaltung wurde im Jahre 1892 der Gemeinde der Name Ostern aberkannt und in Kis Komlosch ( Klein- Komlosch) umgewandelt. Nach dem Zusammenbruch der Entente geriet der größte Teil des Banats unter Besetzung von französischer und jugoslawischer Armee. Am 27. Juli 1919 haben die Serben den östlichen Teil des Banates an Rumänien abgetreten wobei die Demarkationslinie bis an Ostern verschoben wurde und unser Heimatort bei Jugoslawien verblieb. Am 16. Januar 1924 wurde im Rahmen einer Feierlichkeit Ostern an Rumänien angeschlossen so das die Landesgrenze von der östlichen auf die westliche Seite des Ortes gelegt wurde. Nach dem Ende des zweiten Weltkrieges begann für die Deutschstämmige Bevölkerung des Banats ein großer Leidensweg. In der Note Nr. 031 vom 6.Januar 1945 fordert General V. P. Vinogradov, stellvertretender ( sowjetischer) Vorsitzender der Alliierten Kontrollkommission für Rumänien, die Mobilisierung zur Arbeit in die Sowjetunion von Bürgern deutscher Herkunft, gleich welcher Staatsangehörigkeit. Alle Proteste und Bemühungen hatten kein Erfolg so das am 10. Januar in Bukarest die Aushebungen begannen. Laut Vereinbarung sollten die Frauen im Alter von 18-30 Jahren und die Männer zwischen 17 und 45 Jahren deutscher Herkunft ausgehoben werden, doch wurde oft mitgenommen, wer gerade da war. Einige Deutsche versteckten sich, "romanisierten" ihre Namen, gingen Scheinehen mit Rumänen ein, um der Deportation zu entgehen. Die meisten holte man von zu Hause ab, steckte sie zunächst in Massenquartiere und verfrachtete sie dann in Viehwaggons und so traten sie eine Reise ins ungewisse an, den keiner wusste wohin und wie lange und ob er jemals die daheim gebliebene wieder sehen wird. Sie wurden zur Zwangsarbeit, für den Wiederaufbau der Sowjetunion, deportiert und mussten in Kohlengruben, Fabriken, Felder von früh morgens bis abends spät schwer Arbeiten, um ihre Norm zu erfüllen, und sich ihre Essensration zu sichern. Viele sind den Hungerstod gestorben, viele haben Krankheiten in den Tod getrieben. Die Orte der Deportation der Deutschen aus Rumänien lagen hauptsächlich in der Ukraine und dem Ural. Ende 1949 war auch dieser Albtraum, für alle die es bis dahin erlebt haben, zu Ende und sie wurden aus der Deportation entlassen und konnten den Heimweg antreten. Es kam die Enteignung nach dem Kriege, die Verschleppung in die Baragan - Steppe ( 1951-1956) mit Zwangsaufenthalt, da man als "unzuverlässige Elemente" eine Gefahr für die Sicherheit der Grenze zwischen Rumänien und Jugoslawien dargestellt haben soll ( Ostern lag innerhalb des 50 km breiten Gebietsstreifen entlang der Grenze aus dem man Zwangs umgesiedelt wurde). Warum jemand als unzuverlässig eingestuft worden ist hat er nie mitgeteilt bekommen. Die Bäuerliche Existenz unserer Eltern und Großeltern war zerstört denn das ganze Feld wurde Ihnen enteignet, es wurden Staatliche und Landwirtschaftliche Kollektivwirtschaften gegründet. Als ende der 50-ziger Jahren, man die Häuser und Höfe zurückbekommen hat, kam in vielen Heidegemeinden der Glaube an die Zeit eines Neubeginnes auf. Viele private Dienstleistungsbetriebe wurden gegründet, die Landwirtschaft blühte auf, Häuser wurden saniert, Straßen und Gassen waren eine einzige Blumenallee. Doch dieser Glaube hielt nicht lange, denn scheinbar war diese Entwicklung des Banats der Kommunistischen Regierung ein Dorn im Auge. Mit Kommandowirtschaft und Schikanen wurde alle Entwicklung gebremst, dem fortschritt ein Halt geboten.

In den Köpfen der Deutschstämmigen Bevölkerung begann der Gedanke der Auswanderung immer eine größere rolle zu spielen und so begann Anfang der 70-ziger Jahre die Auswanderung aus dem Banat, die ihr Höhepunkt hat. "Aus einer Wüste war ein blühend Eden, aus Sümpfen hob sich eine Neue Welt " heißt es im "Banater Schwabenlied" von Adam Müller- Guttenbrunn. In drei Einwanderungswellen sind unsere Vorfahren in das Banat gekommen, die drei Schwabenzüge nennen sie die Geschichtsschreibung. Jetzt spricht man von einem vierten, dem letzten, die Auswanderung in die Urheimat.

Laut Dr. Peter Pink und Dr. Anton Peter Petri befand sich die Gemeinde Ostern im laufe der Jahren in folgender Verwaltung und Kirchlicher Administration: in der Zeitspanne 1772-1785 wurde Ostern von den grundherrschaftlichen Beamten verwaltet, 1785-1968 hatte Ostern eine eigene Verwaltung (1918-1924 gehörte Ostern zu Serbien), ab der rumänischen Gebietsreform vom 16.02.1968 gehört Ostern zur Verwaltung Großkomlosch. Die Pfarrei Ostern war in der Zeitspanne 1772-1782 unter Verwaltung der Pfarrei Hatzfeld, von 1782-1785 unter Verwaltung der Pfarrei Sankt- Hubert, von 1785- 1986 hatte Ostern eine eigene Kirchenverwaltung. Ab Dezember 1986 hat Ostern keine eigene Pfarrei mehr und befindet sich wieder unter Verwaltung der Pfarrei Hatzfeld.

Erlauben sie zum Schluss Ihnen noch ganz kurz die Entwicklung der Gemeinde Ostern anhand der Einwohnerzahl darzulegen.

- im Jahre 1777 hatte Ostern 233 Einwohner
- im Jahre 1792 hatte Ostern 724 Einwohner
- im Jahre 1811 hatte Ostern 1055 Einwohner
- im Jahre 1821 hatte Ostern 1467 Einwohner
- im Jahre 1839 hatte Ostern 1480 Einwohner
- im Jahre 1851 hatte Ostern 1774 Einwohner
- im Jahre 1860 hatte Ostern 1913 Einwohner
- im Jahre 1870 hatte Ostern 1965 Einwohner
- im Jahre 1889 hatte Ostern 2002 Einwohner
- im Jahre 1900 hatte Ostern 2044 Einwohner
- im Jahre 1910 hatte Ostern 1850 Einwohner
- im Jahre 1930 hatte Ostern 1676 Einwohner
- im Jahre 1940 hatte Ostern 1611 Einwohner

Im Jahre 1940 waren 97,1 % der Einwohner deutscher Abstammung.
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